OVERRUN HAMBURG

OVERRUN HAMBURG

(2018)

Overrun. Überrannt.

Sofort springt der (Hashtag-)Reflex der Besorgten an. Wer wird hier überrannt? Von wem in welcher Absicht? Im Chor: „Cui bono, cui bono?“ Wo gerade noch sattes Grün mit vermeintlich beängstigender Präsenz die Betrachtenden umgibt, tönt im nächsten Moment der im Baumarkt-Grün gehaltene Weltenfresser. Genüsslich saugt er schreddernd Neophyten mit industriell-unerbitterlicher Präzision und verwandelt, gleich neben den Fotografien Hubert Haslers, damit den Seinszustand der Pflanzen. Defragmentiert und aufgelöst, ihrer wachsenden Pracht beraubt, tauchen sie schließlich wieder am Boden auf. Dort kann man sie gefahrlos betrachten, von oben auf sie herabsehen und, wenn man sich denn die Mühe machen möchte, re-konfigurieren. Ein einfacher Handbesen reicht dafür. So wie fotografische Abbildungen Augenblicke zu bannen vermögen und dergestalt beherrschbar machen, entführt der Ausstellende das Floristische ins Bauliche hinein, ehe das Neophytische endgültig seine postmoderne Defloration durch den Häcksler erlebt. Doch ohne Außen kein Innen – Grenzziehungen bilden diskursiv-machtvolle und subjektive Akte ab. Entsprechend begibt sich der Künstler Hasler hinaus und nimmt das vermeintlich Nischenhafte in den Blick, um dort die Pflanzen zu finden, die am Wegesrand in unbeachteter, marginalisierter, manchmal auch als invasiv-gebrandmarkter Gegenwart wachsen. Ein gesamtheitliches Bild dieses biologischen dekonstruierten Imperalismus entsteht somit erst durch das aufmerksame Suchen und Finden, das Abbilden und Ausstellen sowie die Rezeption durch den Besucher dieses Prozesses.

Rudolf Inderst